WATERFORD – von der Idee bis zum schnellen Ende :-)


Das Waterford-Projekt ist eigentlich schon insgesamt 2 Jahre alt. Ich hatte damals einfach drauf losgeschrieben und bin es komplett unkonventionell angegangen. Bringt nix! Das weiß ich auf jeden Fall jetzt. Deshalb gehe ich in diesem Moment das Buch wesentlich strukturierter an. Trotzdem und vor allem um meinen Schreibstil einmal vorzustellen, möchte ich die ersten Ergüsse einmal auf diesem Blog veröffentlichen. Kritik erwünscht! By the Way: es fand keine Rechtschreibkorrektur statt 🙂

Waterford – oder wie es am Anfang sein sollte 🙂

Kapitel 1

Waterford, 23.02.2004

Correy Sanders stand unschlüssig vor seinem Kleiderschrank. Der Anblick machte Ihm eher Angst als das er Ihn beflügelte. Er hatte heute Abend das wichtigste Treffen seines Lebens und nicht annähernd eine Ahnung, was er zu diesem Anlaß tragen sollte.

Sanders hatte vor ein paar Wochen eine Kontaktanzeige aufgegeben und tatsächlich hatte sich jemand gemeldet, der genau seinen Vorstellungen entsprach. Er war nervös. Noch nie war er in solch einer Situation gewesen. Als Journalist kannte er einen Haufen skuriller Geschichten. Kannte Menschen, die Ihren Hund heiraten wollten oder sich wegen irgendeines Stars die Brüste neu machen ließen. Die nicht davor zurück scheuten, sich am Leid anderer zu ergötzen oder versuchten, die ganze Wohnsiedlung anzuzünden, nur um der Ex-Freundin eins auszuwischen.

„Der arme Kerl“, dachte Sanders bei sich. Er hatte damals über diese Vorfälle berichtet. An der Patrick Street wurde vor drei oder vier Jahren ein Brand gemeldet. Niemand sah zu jener Zeit die Bedeutung dieser Tat. Ein Matratze war in einem der vornehmen Reihenhäuser angezündet worden. Außer viel Rauch war aus der Geschichte nichts herauszuholen gewesen. Man schob es auf die Kinder, die zu einer der Familien in dieser Strasse gehörten. doch einige Tage später brannte es erneut ein Haus weiter. Die Medien horchten auf und Sanders witterte eine gute Story. Es war schon ungewöhlich, das in dieser ansonsten ruhigen Gegen Brände gelegt wurden.
Der zweite Brand wurde zudem mit Benzin entfacht, was einen Vorsatz erahnen ließ, der sich letztendlich ja auch bestätigte.

Das Polizeirevier nahm sich dieser Brände nun an und schickte in regelmäßigen Abständen – zu jeder vollen Stunde –  einen Streifenwagen vorbei. Nichts passierte. Sanders hatte es sich zu diesem Zeitpunkt schon in seinem Auto gemütlich gemacht und beobachtete die Strasse jede Nacht. Und tatsächlich, nach 2 weiteren Wochen, sah er diesen jungen Burschen. vielleicht 19 Jahre alt. Schwarze Jacke, Schwarzer Rucksack. Seine Mütze tief ins Gesicht gezogen. Und, was Sanders stutzig machte: er war nüchtern. In seinem Gang konnte er keine durchzechte Nacht erkennen. Kein Schwanken. Kein Schlüsselsuchen. Nur ein verstohlenes Umsehen. Sanders ließ seiner Kamera keine Ruhe und knippste im Sekundentakt ein Bild nach dem anderen bevor er die Polizei rief.

„John McGuire“, entwich es Sanders. Der Name hatte sich in sein Gehirn eingebrannt. Der Junge war eigentlich ein intelligentes Bürschchen. Er wohnte seit kurzem in der Patrick Street mit seiner Freundin Melinda. Ein nettes Mädchen. Vielleicht 18 Jahre alt. Die beiden kannten sich seit 6 Monaten und John war über beide Ohren in sie verliebt. Sie zogen nach dieser kurzen Zeit zusammen und es kam, was kommen mußte.

„Dieser verdammte Alltag…“. Sanders schaute sich immer noch orientierungslos in seinem Schrank um. Nahm einen Smoking, befand ihn für schlecht geeignet und hing ihn wieder in den Schrank.

Als die Polizei, den damals völlig verwirrten McGuire festnahm, konnte Sanders schon den Rest der Geschichte voraus sehen. Beide hatten nicht viel Geld. Sie wollte mehr, Er auch. Und keiner wußte, wie diese Defizite auszugleichen waren. Sie machte Schluß. Er war der Versager. Er kam schließlich auf Bewährung davon. Die Brände waren so stümperhaft gelegt worden, das niemand einer Gefahr ausgesetzt worden war. Zudem mußte sich McGuire in psychologische Behandlung begeben.

Doch dies war bei weitem nicht die Quintessenz. Das wirklich Interessant an diesem Fall war die hilflosigkeit gewesen. Ein junger Mann der an der ersten Beziehung gescheiert war. Der viel versuchte, unternahm. Doch niemals hätte es gereicht.

Zu jener Zeit war Sanders in der gleichen Lage. Miriam Taylor, ein Bild von einer Frau. Sie beiden waren ein paar gewesen. Und obwohl Sanders versuchte, sie in jeder Hinsicht zu befriedigen, war sie nach  nur neun Monaten gegangen. Vielleicht hatte ihn diese Geschichte deshalb so aufgewühlt. Er wußte was ein gebrochenes Herz war. Er wußte was in diesem Jungen vorging. Doch alles war lang vorbei und schon gar nicht mehr war…

“ Verrücktes Land“, dachte er.

Und doch war er einer von Ihnen. Waterford. Irland. Land der Religionskriege. Land der Pints. Land der wirklichen Rothäute.

Sanders schmunzelte. „Gewehre wären angeracht.“ Als Movie-Junkie konnte er nicht um hin, als an die Passage aus Pulp Fiction zu denken. Dort, wo ein amerikanischer Weisser und ein Schwarzer darüber diskutierten, wer wem die Füße massierte.

„Konzentrier dich . . .“ sagte sich Sanders. Er stand jetzt bereits eine geschlagene Stunde vor seinem Kleiderschrank und war noch zu keinem Ergebnis gekommen. Er entschied sich schließlich für das  Business Outfit und trug einen schwarzen Anzug mit neongrüner Kravatte.

Sie würden sich bei Starbucks treffen. 16:00 Uhr. Es gab kein vereinbartes Zeichen.
„Ich werde Sie erkennen“, sagte sein Gegenüber am Telefon. Sanders gab sich anfangs nicht mit dieser Information zufrieden. Doch alles nachfragen kam zu keinem Ergebnis. Er fuhr mit seinem Wagen in die Connell Street und mußte wieder einmal feststellen, das Parkplätze etwas priviligiertes waren. Er steuerte seinen Landrover suchend an den bereits abgestellten Fahrzeugen vorbei. Sanders wollte pünktlich sein. Doch sein Plan schien nicht in Erfüllung zu gehen.

„Verdammt!“ fluchte er.

„Ein einziges Mal ist es wirklich wichtig und trotzdem parkt jeder Penner gerade in dieser Strasse. Verdammt! Verdammt! Verdammt!“

Sander schlug auf das Lenkrad. Es hatte noch 5 Minuten. Keine Rückrufnummer. Er war diesem Scheißproblem völlig ausgesetzt. Er konnte diesen Termin nicht verstreichen lassen. Nicht wegen einer Parklücke.

Er fuhr am Gemeindehaus vorbei und parkte schließlich vor einer Feuerwehrzufahrt am Ende des Gebäudes. Legte sein Presseschild vor die Windschutzscheibe und verließ seinen Wagen.

„Sollen sie ihn halt abschleppen…“

Sanders blickte sich um. War sein Date schon zu sehen. Er musterte auf seinem Weg die vorbeikommenden Passanten. Niemand machte den Eindruck, jemand anderen zu suchen.

„Ausgerechnet Starbucks“, murmelte Sanders.

Er hatte nie verstanden, warum diese mordernen Kaffeeketten so gut funktionierten. Kaffee in seiner unaussprächlichsten Art. Man trank hier keinen Kaffee im eigentlichen Sinn. Das galt in der Waterford-Szene als „Uncool“. Man bestellte vielmehr eine „Tazo Iced Chai Tea Latte“ und tat dann so, als hätte man verstanden, was sich im gerade bezahlten Becher befand.

Nun gut, der Kaffee würde nebensächlich sein. Er gönnte sich einen Cappuccino und setzte sich ans Fenster. Der Platz war noch nicht aufgeräumt, doch Sanders störte es nicht.

Die Minuten vergingen und Sanders schauten im viertelminuten Takt auf seine Uhr. Er bestellte einen 2 Cappuccino und hoffte auf die Ankunft des Unbekannten. Niemals würde er so etwas wieder machen. Das stand schon einmal fest. Er fühlte sich ausgeliefert und abhängig. Er hatte keine Ahnung, was ihm bevorstand und auch keine Strategie, die er verfolgen konnte. „Er“ war diesmal in der Position, die er sonst nur von seinem Beruf kannte. Dort war Sanders derjenige, der die Person XY entweder in den Himmel loben konnte oder ihn in die Hölle beförderte.

„Bleib ruhig, alter junge“, murmelte Sanders.
„Eigentlich hast du alles in der Hand. Du stellst im Grunde die Weichen und kannst diesen Ort jederzeit verlassen, wenn die Chemie nicht stimmt.“
Durchhalteparolen. Nicht mehr. Sanders war nervös.

16.30

Sanders schaute noch einmal auf die Uhr. Er zweifelte mittlerweile schon am Gespräch. War der Tag richtig? Stimmte die Uhrzeit? Er sollte doch peinlich genau erscheinen. Sanders sah sich um. Er konnte niemanden dem oder der Unbekannten zuordnen. Er winkte der Bedienung. Wollte zahlen. Und in diesem Moment geschah es.

„Mister Sanders?“ fragte ihn eine unbekannte Stimme.

Sanders war überrascht. Er hatte nicht mit so einer sanften Stimme gerechnet. Am Telefon hatte es sich viel strenger angehört. Er konnte sich aber auch täuschen.

„Ja“, sagte Sanders.

Kapitel 2

Waterford, 06.06.2007

Sanders saß in seinem Wohnzimmer. Heute war es endlich soweit. Sein Date von damals hatte sich als echte Perle erwiesen im Meer der Blindgänger. Er hatte sich nicht getäuscht und sein erster Eindruck wurde mehr als bestätigt. In den letzten drei Jahren hatte er intensiv an dieser Beziehung gearbeitet und würde ab morgen die Früchte ernten. Sanders war aufgeregt. Für heute abend, 21:30 Uhr, war das letzte Treffen geplant und ab morgen würden beide unzertrennlich sein.

Correy goß sich einen Whiskey ein. Redbreast. 15 Jahre. Nie zuvor war in ihm dieser Geschmack zu Tage getreten. Erst holzig, nach Fass schmeckend. Und dann, ohne Vorwarnung verwandelte sich dieses Schmuckstück in eine Perle der Früchte. Im Abgang schmeckte Sanders eine Fülle von Beeren. Brombeeren, wie er meinte. Und zum Schluß spürte er nur dieses wohltuende Gefühl von Wärme in seinem Rachen. Dieser Abend würde etwas ganz besonderes werden. Das höchste was er jemals erleben würde.

Er lehnte sich zurück. Vor gut zwei Jahren hatte er einen alten Ohrensessel gekauft, der seinen Vorbesitzer nur mit Mühe überlebt hatte. Dennoch hatte sich Sanders sofort in dieses Antiquariat verliebt. Er kaufte es für 200 Pounds und gönnte seiner neuen Sitzgelegenheit eine Rundumkur. Neues Leder, rot. Die Nieten in Silber. Der Sattler hatte damals großartige Arbeit geleistet und Sanders lud ihn zur Einweihung auf ein Glas Wein ein.

Sanders trank sein Glas aus und schenkte sich erneut sein halbes Glas ein. Es war ca. 19:45 Uhr und er hatte noch etwas Zeit. Er war melancholisch und spielte mit den Eiwürfeln in seinem Drink, bevor er zum nächsten Schluck ansetzte. Noch nie in seinem Leben hatte er diese Umgebung so genießen können, wie heute. Doch dies alles spielte im eigentlichen Sinn keine Rolle. Er mußte sich jetzt allmählich konzentrieren. In einer 3/4 Stunde würde er die Tür öffnen. Und er wußte, was Ihn erwartete. Er hatte extra zu diesem Anlaß eine neue Smooth Jazz CD gekauft. Das war Bedingung gewesen. Jedesmal. Bei jedem Treffen. Der ganze Abend würde romantisch ablaufen. Und an ihm sollte es schließlich nicht liegen, das dieses Treffen schief lief.

20:15

Sanders fing an, sich für dieses besondere Ereignis schick zu machen. Er entledigte sich seiner Kleidung und stellte am Spiegel zufrieden fest, das er immer noch ein attraktiver Mann war. Er hatte einen kleinen Bauch, was er den Pints in Eddy´s Pinte anrechnete. Trotz allem waren seine Arme stark, seine Körper gerade geformt und auch sein bestes Stück brauchte sich nicht zu verstecken. Und das mit 43 Jahren.

„Kannst stolz auf dich sein.“ murmelt Sanders stolz.

Er stieg in die Dusche und wusch sich gründlich. Er wollte auf den kommenden Moment perfekt vorbereitet sein und gönnte sich keine Nachlässigkeiten. Nach der heißen Dusche rasierte sich Sanders, trug eine Bodylotion auf und nahm das gute AfterShave aus dem Schrank, um sich mit einem besonderen Duft zu garnieren.

„Perfekt“, dachte er.

21:23

Es klingelte an der Tür. Correy Sanders wurde nervös, blickte zur Tür. Der grosse Moment stand bevor. Ein letzter Schluck irischen Goldes und Sanders machte sich auf den zur Tür.

Es klingelte erneut.

Sanders öffnete die Tür und erschrak.
Ein maskierter Mann stand vor ihm. Vielleicht 35 Jahre. Er konnte es nicht einschätzen. Seine Hose war aus dunklem Jeansstoff. Dark Denim.

Sanders konnte seine Augen sehen, trotz Mütze. Sie waren entschlossen, eiskalt. In der rechten Hand hielt der Mann einen Baseballschläger. Noch bevor Sanders die Gravur auf dem Schläger entziffern konnte, holte sein Gegenüber aus und traff Sanders an der linken Schulter.

Sanders schrie auf.

„Was passiert hier?“, schoß es ihm durch den Kopf.

Sanders taumelte nach hinten und hielt sich seine Schulter. Sie schien nicht gebrochen zu sein. Sein unbekannter Gegner schloß die Eingangstür und visierte Sanders an. Er sprach nicht. Stellte keine Forderungen. Sanders rannte rauf in den ersten Stock seines Hauses und suchte nach seiner Schreckschußpistole. Vielleicht würde sie ihm weiterhelfen.

Sie half im nicht.

Während Sanders im Schlafzimmer nach der Waffe suchte, schlich sich sein Angreifer die Trepper hinauf. Immer in der Erwartung, Gegenwehr zu erfahren. Sanders stand schließlich mit leerer Waffe da.

Sein Gegenüber hob die Hände. In der rechten Hand immer noch den Baseballschläger.

„Nimm die Mütze ab“, schrie Sanders.

Sein Peiniger zog den rechten Arm Richtung Mütze und holte gleichzeitig aus um den Schläger richtung Sanders zu schleudern. Er traf die Waffe und schleuderte sie Sanders aus der Hand.

Sanders schrie vor Schmerz auf. Der Mistkerl hatte ihm mindestens 3 Finger gebrochen. Er stolperte zurück und versuchte den Schläger zu erreichen. Als er ihn aufheben wollte, bemerkte er den Fuß auf der Keule. Sanders hatte keine Chance. Sein Peiniger stand über ihm. Atmete ruhig. Es gab kein Anzeichen von Stress in seinen Bewegungen.

Er holte mit seinem linken Fuß aus und trat Sanders rücksichtslos ins Gesicht. Sanders spürte wie seine Nase brach und wie er anfing auf ihr zu bluten. Der Maskierte hatte ihm zudem die beiden Schneidezähne abgerochen. Sie schwammen nun in einem See aus Speichel und Blut in seinem Mund.

Sanders schnappte nach Luft. Er hatte sich diesen Abend anders vorgestellt. Bilder aus seiner Vergangenheit zogen an ihm vorbei. Das sichere Zeichen für den nahenden Tod. Sanders sollte recht behalten. Im rechten Augenwinkel bemerkte er noch, wie der Maskierte Mann zu Schlag ausholte. Er hatte keine Möglichkeit mehr ihn zu stoppen. Er rollte sich auf den Bauch und empfing den ersten Schlag auf seine bereits lädierte Schulter. Mit schmerzverzehrtem Gesicht wand Sanders sich der Eingangstür zu und versuchte Sie auf Knien zu erreichen. Doch er sollte sie nicht erreichen. Der zweite Schlag traf genau seine Schädelmitte die aufgrund der Härte des Schlages zerbarst. Sanders sackte zusammen.Ein letztes Zucken. Dann war er tot.

„Töte ihn!“ Das war alles gewesen, was Sanders Peiniger als Auftrag bekommen hatte. Nicht mehr. Nicht weniger. Er hatte mit weniger Gegenwehr gerechnet und mußte das Szenario unabdingbar in die Länge ziehen. Mitleid kannte er nicht. Er schloss die Tür. Das Echo seiner Schritte halten im Hof nach…

Kapitel 3

Vincent Marooney erfuhr als erster von der Sache mit Sanders. Er und Sanders hatte sich damals 1992 auf dem Polizeiball kennengelernt. Sanders war zu dieser Zeit an einem Banküberfall dran über den er schreiben wollte. Marooney leitete die Ermittlungen und so war es nur eine Frage der Zeit gewesen, bis sich beide Männer über den Weg laufen sollten. Sanders war zu jener noch ganz frisch bei den Waterford News und arbeitete sich energisch durch jede noch so kleine Story. Marooney hatte dies imponiert. Sanders war engagiert und zielstrebig. Und außerdem war es ihm auch noch gelungen, gerade auf einem Polizeiball unerkannt reinzukommen.

Sanders sprach Marooney im Foyer des Hilton Plaza an und bat um ein kurzes Gespräch. Er erkundigte sich nach dem Ermittlungsstand. Nicht zufriedenstellende Antworten wurden umgehend mit anders gestellten Fragen solange torpediert, bis Sanders die Antwort hatte, die für ihn wichtig war. Was beide noch nicht wußten: sie würden in den kommenden Jahren besser zusammenarbeiten als sie zu geben würden und es würde sich eine Männerfreundschaft entwickeln, die jetzt durch Sanders tot ihr abprubtes Ende fand.

Marooney hatte sich Notizen am Telefon gemacht und wollte sie, bevor er zum Tatort fuhr, noch einmal auf sich wirken lassen. Laut Inspektor Drench hatte es einen Kampf gegeben, Möbel und andere Gegenstände waren in Mitleidenschaft gezogen worden. Keine Einbruchsspuren, weder an den Türen noch an Fenstern. Sanders wurde bereits tot vor seinem Kamin im Wohnzimmer gefunden. Sein Körper wiese große Hämathome auf, seine Kleidung war zerrissen. Vermutliche Todesursache: einen oder mehrere Schläge auf den Kopf. Das genaue Ergebnis würde später die Obduktion ergeben.

Marroney machte sich auf dem Weg. Er versuchte, seine Gedanken zurückzuhalten, was die Sache mit Sanders anging. Er wollte nicht in Versuchung kommen, voreilige Schlüsse zu ziehen. Er rief sich Sanders in Erinnerung.

„War ein smarter Mistkerl.“

Um 19.30 traf Marooney am Tatort ein. Correy Sanders hatte in der Broadstreet gewohnt. Inmitten einer der belebtesten Gegenden hier in Waterford. Die Straße lag genau im eigentlichen Zentrum Waterfords: hier stand gleich in der Nähe die City Mall, die Post, kleine Läden die zu überhöhten Preisen ihr Sachen an Touristen verkauften.

Inspektor Drench begrüßte Sanders mit einem festen Händedruck. Beide mochten sich. Sie hatten schon öfter zusammen an Fällen gearbeitet und Drench hatte sich als ein ruhiger, entschlossener Mann gezeigt, der nachdachte, bevor er handelte.

„Hallo Vincent“, gebrüßte er Marooney.

„Ein verdammter Mist, das mit Sanders. Er hatte praktisch keine Chance. Aber komm erst mal rein. Die Spurensicherung müßte gleich soweit sein.“

Zusammen gingen die beiden ins Haus.

„Ist schon seltsam“, sagte Marooney. „Ich habe Sanders bestimmt schon eintausend mal getroffen. Habe mit ihm über wirklich wichtige Dinge gesprochen. Doch ich war noch nie bei ihm zu Hause.“

Das Haus war stilvoll eingerichtet gewesen: kleine Minbar, mit zum Teil noch vollen Flaschen. Ein großes Bücherregal an der hinteren Wand. Der Kamin hatte einen kleinen Sims aus Marmor, auf dem Sanders seine Sporttrophäen ausstellte. Die meisten davon waren allerdings jetzt auf dem Parkettboden verstreut und zum Teil komplett zerbrochen. Sanders schien wert auf Details gelegt zu haben. Hinter den Bildern waren kleine Lampen in der Wand versenkt worden, die dem Raum indirektes Licht spendeten. Die Bilder selbst waren Originale von Freunden und lokalen Malern aus Waterford und Umgebung. Sanders hatte auch hier auf einen roten Faden geachtet. Alle Bilder zeigten Gesichter verschiedener Frauen. Mal detailiert, mal so abstrakt, das man schon genau hinsehen mußte um zu erkennen, was auf der Leinwand darstgestellt wurde.

Die Spurensicherung lag in den letzten Zügen. Überall waren kleine, schwarze, aus Kohle bestehende Staubflecken zu sehen. Sie gaben den Blick auf die Spuren frei. Fingerabdrücke, mal mehr, mal weniger deutlich zu erkennen. Die Türen wiesen ebenfalls schwarze Spuren auf. Meist im Schloßbereich, selten in der Mitte oder am Rand. Einbruchspuren, das sah Marooney sofort, waren nicht vorhanden. Kein gesplittertes Holz, keine Kratzspuren, die von einem spitzen Gegenstand oder einer Kreditkarte herrühren konnten. Nein, Sanders hatte die Tür selbst geöffnet oder offen gelassen. Der Grad der Verwüstung ließ auf einen Kampf schließen.

Marooney lenkte jetzt sein Hauptaugenmerk auf die Leiche, die zusammengekauert neben dem Kamin lag. Blut hatte sich seinen Weg durch Schädeldecke, Mund, Nase und Ohren gebahnt und war auf dem Vorleger versiegt und getrocknet. Seine Hand, vielmehr die Finger der rechten Hand standen in einem ungesunden Winkel von Ihrem angestammten Ort weg. Sie schienen zum Teil gebrochen zu sein. Der Handrücken wies zudem eine starke, blutunterlaufene Schwellung auf. Sein Gesicht war ebenfalls blutunterlaufen, was auf die Wunden am Kopf zurückzuführen war.

Marooney sah angestrengt zu Drench. Drench sah ihm an, das dieser Fall ihm schwer zu schaffen machte. Er hatte Marooney auch deswegen schon immer respektiert. Trotz der Schwere einer Tat blieb Marooney sachlich und konzentrierte sich auf die Details. Doch er ließ auch immer seine Gefühle erkennen. Mal war es Abscheu, mal Verachtung und wie im diesem Fall war es Mitleid. Er sprach nicht darüber. Das hätte Marooney niemals gemacht. Doch sein Gesicht und seine Geesten sprachen Bände.

„Sieht nicht so aus, als ob er eine Chance gehabt hätte. Kennt man schon den Todeszeitpunkt?“, fragte Marooney.

„Noch nicht. Aber durch die Art der Verletzungen ist es unwahrscheinlich, das er einen langen Leidensweg gehabt hat.“

Marooney hatte genug gesehen. Die Berichte würden morgen früher oder später auf seinem Tisch liegen. Er beschloß, sich noch auf ein Bier bei Mickey zu begeben und diesen unerfreulichen Tag in vergessenheit geraten zu lassen.

Kapitel 4 – 3 Wochen später

Lori Meyers stand vor dem Spiegel und begutachtete sich. Sie war 38 Jahre alt, wirkte aber jünger und stellte dies auch zufrieden fest. Sie hatte immer noch eine frische, solariumsgebräunte Haut, eine schmale Taille und Brüste, mit der sie noch jede 25-jährige herausfordern konnte. Ihre langen rotblonden Haare, die Sommersprossen in ihrem Gesicht und ihre herzliche Art zu lachen hatte ihr schon desöfteren einen Flirt mit deutlich jüngeren Männern eingebracht. Doch niemals wäre sie auf die Idee gekommen, diese Art der Vertraulichkeit zu erwidern. Sie war glücklich und grundsolide.

Evan, ihr Mann, war ihr Traummann gewesen und war es auch heute noch. Mit ihm hatte sie 3 wunderbare Kinder, eine kleines, aber schönes Haus und die Art von Zufriedenheit erlangt, die man nur bekam, wenn alle mit sich im Reinen waren. Natürlich gab es auch mal Streit, aber das war bei 3 Kindern und einem Mann auch kein Wunder. Doch das alles hatte nie zu ernsthaften Überlegungen geführt.

Lori zähmte ihre Mähne und trug eine Bodylotion auf. Heute abend waren Sie auf eine Party bei den Miltons eingeladen. Sara und Marc. Ein skurilles Pärchen, wie sie fand. Er war Grafik Designer bei Palton&Friends und kannte Evan von verschieden Aufträgen, die die beiden zusammen erfolgreich beendeten. Marc war ständig auf der suche nach der perfekten Idee für seine Kampagnen und sobald er etwas für ihn brauchbares sah, steckte er es ein oder kaufte es. Verpackungen, witzige Flyer, egal was. Sobald es „stylisch“ war, mußte Marc es haben.

Sara dagegen war eher introviert und damit das Gegenteil von Marc. Sie malte und vergrub sich tagelang in ihrem Atelier in der Greenstreet, einer Straße die im Künstlerviertel von Waterford lag. Ihre Ausstellungen waren nicht groß, aber immer gut besucht und ab und an verkaufte sie auch ein Bild. Lori besaß bereits 3 ihrer Bilder und sie fand es aufregend, die Künstlerin persönlich zu kennen und machte daraus auch keinen Hehl.

Fertig gestylt und angezogen, suchte Lori ihren 2. goldenen Ohrring, einen Perlen-stecker, den sie von Evan geschenkt bekommen hatte. Sie bewahrte ihre Schmuck-stücke immer in ihrer Lederbesetzten Schmuckschatulle auf, doch in dem dafpr vorgesehenen Fach befand sich nur der rechte Stecker.

Sie schaute auf die Uhr. Er war bereits 19.00 Uhr und sie mußten in einer halben Stunde los.

„Na gut, dann eben die Creolen“, murmelte Lori. Doch sie beschloß, ihre lieben Kleinen morgen eines Verhörs zu unterziehen.

Evan war schon seit gut einer halben Stunde fertig, roch nach Calvin Klein und saß nun vor dem Fernseher, wo er sich eine Spielzusammenfassung seines Lieblingsvereins ansah. FC Liverpool. Er war schon immer auf ihrer Seite gewesen, so wie sein Vater und dessen Vater. Fußball gehörte in Irland schon immer zu Alltag. Er hielt die hart arbeitenden Männer genauso wie die Bürohengste zusammen oder er trennte sie. Nach jedem Spiel wurde gefachsimpelt was man besser hätte machen können, warum Wayne Rooney nochmal als Weltstar enden würde oder man zog einfach nur nach einem gewonnenen Spiel über den Gegner her. Evan zog gerne über seine Gegner her. Er freute sich bereits auf Marc, der Manchester die Daumen hielt.

„Das werden wieder heiße Gespräche. Fußball, Frauen und Bier“, murmelte Evan.

Das Leben ist schön

Kapitel 5

Die Party bei den Miltons wurde genauso, wie Lori und Evan es erwartet hatten. Die Tische waren weiss gedeckt gewesen und mit schwarzlicht bestrahlt worden. Es gab kleine Canapes und Champagner. Sie waren zwar Iren, aber benahmen sich wie Amerikaner. Dick auftragen, Jazz und das ganze Zeug. Und trotzdem hatte man den Eindruck nicht auf einer Party von Snobs zu sein.

Sara und Marc waren ganz in weiß gekleidet. Sie wirkten beide androgyn und trotzdem auf eine Art vertraulich.

„Lori, schön das Ihr da seid . . .“, sagte Sara zur Begrüßung und gab Lori einen Kuß auf die Wange.

„Wir haben uns ja schon ewig nicht mehr gesehen. Komm, ich werd dir gleich mal die McKennsies vorstellen. Sie sind zauberhaft. Einfach zauberhaft . . .“.

Marc und Evan standen sich gegenüber. Eine Hand schüttelte die andere.
„Schön, das ihr da seid“, sagte Marc.
„Schön, das ihr gegen uns verloren habt!“

Marc schaute ernst. Es war soweit…

„Es lag am . . .“, fing Marc an. Doch Evan bremste ihn.

„Es lag an nichts.“ Nahm ihn in den Arm und beide begrüßten sich.

„Komm, mein Freund. Nimm etwas von den Canapes. Die haben ein Heidengeld gekostet und wenn jemand sich schon daran zu schaffen macht, dann du.“

Evan grinste. „Gerne“, sagte er und konnte gerade noch der Bedienung zwei mit Thunfisch belegte Happen ergattern.

Es war 20.34 Uhr.

Kapitel 6

Marooney klingelte. Keiner macht auf. Er stand vor dieser weiß getünchten Tür und kam sich wie ein Trottel vor. Der Garten war voll von Leuten. Es war nicht zu überhören, das hier eine Feier stattfand. Doch beim ersten Klingeln öffnete niemand die Tür.

Er klingelte ein zweites Mal und eine ca. 29 Jahre alte Frau öffnete ihm die Tür…

WATERFORD – von der Idee bis zum schnellen Ende :-)

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